Rückholaktion: Von Argentinien zurück nach Deutschland

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Nachdem ich bereits über 3 Wochen in Ausgangssperre war und diese dann wieder verlängert wurde habe ich mich schweren Herzens dazu entschieden, die Rückholaktion, welche vom auswärtigen Amt organisiert wird, doch in Anspruch zu nehmen. Ich war bereits beim nächsten Flug mit auf der Passagierliste… und letztendlich hatte ich Glück, weil dies voraussichtlich der letzte Direktflug nach Deutschland war. Es ging also von Argentinien zurück nach Deutschland

Warum habe ich mich dazu entschlossen nun doch mithilfe der Rückholaktion von Argentinien zurück nach Deutschland zu reisen?

Hier haben eine ganze Reihe von Gründen mit eingespielt. Die Entscheidung ist mir wirklich schwer gefallen, da ich meinen Traum 2 Jahre lang durch Südamerika zu reisen nicht so einfach aufgeben wollte… In meinem Blogbeitrag über meine weiteren Reisepläne in Argentinien den ich vor über einem Monat verfasst habe, ging ich davon aus, dass in 2-3 Monaten wieder einigermaßen Normalzustand herrschen sollte und ich weiter reisen kann… Doch hier habe ich den Corona-Virus und seine weltweiten Auswirkungen gewaltig unterschätzt…

Strenge Ausgangssperre in Argentinien

Ich hatte ja auch bereits ausführlicher über die sehr strenge Ausgangssperre in Argentinien berichtet. Die Kurzfassung ist, ich saß noch bei schönstem Wetter (meist Sonnenschein und 20-25°) in einer Wohnung ohne Balkon oder Garten fest. Das Haus durfte ich nur zum Lebensmittelkauf verlassen. In den fast 4 Wochen in denen ich in der Wohnung war habe ich von dem Ort auch nur die 200-300 Meter von der Wohnung bis zum Supermarkt kennen gelernt…

Ausgangssperre in Argentinien...
Ausgangssperre in Argentinien…

Hast du schon einmal über Wochen allein in einem Haus ohne Balkon oder Garten gewohnt, dass du eigentlich nicht verlassen darfst? Noch dazu, wenn es kein Haus mit großen Fenstern ist? Wenn du den ganzen Tag zusätzlich künstliches Licht benötigst, weil es sonst zu dunkel ist?
Ich kann es jedenfalls nicht empfehlen… Dazu kommt, dass ich mich ja nur mit Laptop, Smartphone und Kindle beschäftigen konnte und irgendwann einfach keine Lust mehr auf diverse Technik hatte…

Keine Möglichkeit günstig an Bargeld zu kommen

Ich habe letztendlich dann fast alles mit Karte gezahlt, weil ich aufgrund der Ausgangssperre keine Möglichkeit hatte günstig an Bargeld zu kommen… Die günstigste Möglichkeit ist hier normalerweise Western Union, da man hier den besten Wechselkurs bekommt. Allerdings ist auch der Gang zu Western Union verboten… Bei den Banken dagegen bekommt man einen schlechten Kurs und zahlt hohe Gebühren. Am Bankautomaten werden maximal ca. 100 Euro ausgezahlt und dafür zahlt man ca. 10 Euro Gebühren… Zwar hatte ich noch einiges an Bargeld da, aber was wenn sich der Zustand noch über Monate hinzieht…

Welche Vorteile hat es für mich, die Corona-Krise in Deutschland durchzustehen?

Die nachfolgenden Vorteile, haben mich letztendlich dazu bewogen, die Corona-Krise in Deutschland durchzustehen:

  • In Deutschland darf ich nicht nur den Supermarkt besuchen sondern auch spazieren gehen. Die fehlende Bewegung, nachdem ich vorher ja immer beim Trekking war, macht mir wirklich zu schaffen…
  • Während in Argentinien die strenge Ausgangssperre noch mindestens bis zum 10.05.20 anhält, gibt es in Deutschland nach und nach weitere Lockerungen, die das Leben etwas angenehmer machen.
  • Während ich in Argentinien nur Geld ausgebe um dann in der Wohnung zu sitzen, kann ich mir in Deutschland einen Job suchen und mein Reisebudget aufstocken für den Zeitpunkt, wenn ich wieder losziehen kann.
  • Die Krankenversorgung in Deutschland ist natürlich besser als in Argentinien.
  • Ich sehe Familie und Freunde wieder (naja, so mehr oder weniger – inzwischen ist ja auch ein Spaziergang mit einem Freund erlaubt)
  • In Deutschland steht der Sommer vor der Tür und in Argentinien der Winter… Da ich warmes Wetter und Sonnenschein bevorzuge, ist das für mich eindeutig ein Pluspunkt.
  • Da Corona eher in Deutschland angekommen ist, ist die Hoffnung, dass man es hier vielleicht auch ein bisschen eher in den „Griff“ bekommt.

Was ist / war das Rückholaktion?

Die Webseite www.rueckholprogramm.de war für die Registrierung von im Ausland gestrandeten deutschen Reisenden gedacht, für deren Gastländer Rückholflüge des Auswärtigen Amts organisiert werden.Mein Flug am 17.04.20 von Buenos Aires nach Frankfurt war voraussichtlich der letzte Flug, von Argentinien nach Deutschland. Da jedoch noch nicht alle gestrandeten deutschen Touristen zurück gekommen sind, sind noch Flüge in andere EU-Länder geplant. Hierzu habe ich jedoch keine genaueren Informationen vorliegen.

Wie lief die Rückholaktion von Argentinien zurück nach Deutschland ab?

Registrierung für die Rückholaktion

Wie bereits erwähnt, musste ich mich für die Rückholaktion von Argentinien nach Deutschland registrieren. Danach hieß es erst einmal warten… Kurz nachdem ich mich für das Rückholprogramm registriert habe, wurde bekannt gegeben, dass der nächste Flug am 17.04.20 gehen wird. Hierbei handelte es sich vorerst um den letzten Flug von Buenos Aires nach Deutschland. Es würde dann nur noch Flüge in die EU geben.

Vorrang für Touristen die aus den entfernten Provinzen anreisen müssen – Die Rückholaktion von Argentinien zurück nach Deutschland

Werde ich bei dem letzten Flug dabei sein oder nicht… Der Flug war für den kommenden Freitag geplant und Anfang der Woche sollte dann entschieden werden, wer einen Platz bekommt…

Des Weiteren lag mir die Information vor, dass vorrangig Touristen aus den weiter entfernten Gebieten einen Platz bekommen. Die Problematik ist nämlich, dass es quasi keinen öffentlichen Transport mehr gibt. Weder Busse noch Flugzeuge… Die Botschaft hat für die Touristen in den weiter entfernten Gebieten Transporte organisiert und den Transportunternehmen die entsprechenden Papiere ausgehändigt, damit diese den Transport ausführen können. Des Weiteren ist eine „Weiterreise“ innerhalb Argentiniens derzeit nur mit einem gültigen Flugticket gestattet.

Es blieb also spannend… – Die Rückholaktion von Argentinien zurück nach Deutschland

Natürlich saß ich wie auf Kohlen. Ich malte mir schlechte Chancen auf einen Platz im Flugzeug aus. Immerhin befand ich mich ja bereits in der Provinz von Buenos Aires und würde nicht mit einem von der Botschaft organisierten Transport anreisen… Am Montag bekam ich dann eine Mail von der Botschaft mit der Fragestellung, ob noch Interesse an dem Flug besteht und ob notfalls ein Flug in die EU in Frage käme… Natürlich habe ich umgehend bestätigt, dass ich weiterhin am Rückflug interessiert bin und dann hieß es wieder abwarten… Ich stand mit einem anderen Deutschen in Kontakt, der bereits seine Zusage hatte und der mir mitteilte, dass eine Bekannte von ihm bereits die Zusage am Samstag erhalten hatte… Am 14.04.20 um 22:00 Uhr bekam ich endlich die langersehnte Mail. Ich bin beim Rückflug am 17.04.20 von Buenos Aires nach Frankfurt dabei…

Wie komme ich nun zum über 50 km entfernten Flughafen?

Die Bestätigung, dass ich beim letzten Rückflug nach Deutschland dabei bin hatte ich schon mal. Jetzt musste ich nur noch den Transport zum Flughafen organisieren… Während der Ausgangssperre funktioniert die APP „Uber“ nicht, aber das wusste ich bereits vorher schon von meinem Unterkunftswechsel… Eine Alternative ist Cabify. Hier hatte ich beim Unterkunftswechsel, in der Zeit der Ausgangssperre, aber eine halbe Stunde warten müssen, bis mir ein freies Fahrzeug angezeigt wurde. Normalerweise gibt es hier auch die Möglichkeit einen Transport vorab zu reservieren – jedoch hat dies nicht funktioniert. Jedesmal erhielt ich eine Fehlermeldung… Letztendlich entschied ich mich dann für die App „Taxi Premium“ – hier war der Transport zwar etwas teurer und im Gegensatz zu Cabify oder Uber nennt es mir nur einen circa Betrag und keinen Fixbetrag…

Der Transport zum Flughafen – Die Rückholaktion von Argentinien zurück nach Deutschland

Da ich Angst hatte wieder lange auf einen möglichen Transport warten zu müssen, habe ich mich entschieden mehr zu bezahlen und den Transport vorab zu bestellen. Dies hat mir auch das auschecken erleichtert – immerhin wollte ich ja nicht auf der Straße mit meinem Gepäck auf das Taxi warten, sondern musste zusammen mit dem Vermieter im Haus warten. Des Weiteren habe ich mir die für den Transport notwendigen Dokumente auf dem Handy gespeichert, damit ich bei den Polizeikontrollen nachweisen konnte, dass ich die Berechtigung zum Reisen habe. Für den Transport hatte ich einen riesigen Sicherheitspuffer eingeplant, da ich weder wusste wie viele Kontrollen ich passieren musste und noch wusste wie diese ablaufen und wie lange sie dauern. Ich hatte aber Glück. Der Transport ging schnell und ohne Komplikationen. Noch dazu hatte ich einen sehr netten Fahrer mit dem ich wieder einmal ein tolles Gespräch geführt habe. Ich mag diese Offenheit der Argentinier total…

In das Flughafengebäude kommt man nur bei einer Tür. Hier muss man zum einen Nachweisen, dass man für den Flug registriert ist und zum anderen wird Fieber gemessen. Als ich am Flughafen ankam, war noch nicht all zu viel los. Ich war allerdings bereits um 12:00 Uhr da und hätte erst um 15:30 Uhr dort sein müssen… Aber lieber zu früh, als dann irgendwo in einer Kontrolle hängen bleiben und den Flug verpassen… Man weiß ja nie.

Skurril war allerdings, dass die Geschäfte und „Restaurants“ am Flughafen alle geschlossen waren. Wir wurden in unserer Flugbestätigung bereits darauf hingewiesen, dass es am Flughafen in Buenos Aires keine Möglichkeit geben wird, Essen oder Getränke zu kaufen. Hier waren lediglich ein paar Automaten mit Getränken und Süßigkeiten vorhanden…

Da wir kein richtiges Flugticket hatten, sondern nur eine Mailbestätigung mussten wir uns dann zuerst in einer Schlange für die deutsche Botschaft anstellen. Hier haben wir dann unsere Einverständniserklärung für die Kostenübernahme des Fluges abgegeben, einen Nachweis für die Bahn bekommen, mit dem wir kostenlos mit dem Zug heimfahren konnten und Informationen zur Quarantäne.

Danach ging es dann weiter zum Check-In und der Gepäckaufgabe. Im großen und ganzen ging alles ziemlich flott voran. Danach ging es noch zum Sicherheitscheck und der Passkontrolle. Hier lief es weitgehend normal ab. Lediglich durfte man ausnahmsweise Wasserflaschen mitnehmen, da es am Flughafen nur Automatenverkäufe gab und die Geschäfte alle geschlossen waren.

Der Flug – Die Rückholaktion von Argentinien zurück nach Deutschland

Der Rückflug selbst war eigentlich nicht weiter spektakulär. Von Buenos Aires nach Frankfurt braucht man ca. 13 Stunden. Ein sehr langer Flug. Das Flugzeug war voll besetzt. Es gab allerdings keinen normalen Bordservice. Als wir ins Flugzeug eingestiegen sind, lag für jeden Passagier ein „Fresspaket“ für den Flug bereit. Hierüber waren wir ebenfalls vorab auch informiert. Für mich war dieses Essenspaket vollkommen ausreichend. Es gab Pasta, Joghurt, Kekse, Gummibärchen, Brot, Oliven, ein Croissant, Nüsse… Des Weiteren haben wir auch Wasserflaschen von den Stewardessen bekommen. Wir sind sogar überpünktlich in Frankfurt gelandet. Das Aussteigen aus dem Flugzeug hat dann allerdings etwas länger gedauert, da hier immer nur Reihenweise aufgerufen wurde…

Von Frankfurt nach Franken

Da ich meine Wohnung aufgelöst habe, kann ich nun glücklicherweise erstmals bei meinen Eltern wohnen. Am Bahnschalter des Fernbahnhofs in Frankfurt habe ich mich dann informiert, wie das mit dem Zugticket abläuft. Glücklicherweise haben hier die Bestätigung von der Botschaft in Kombination mit meinem Boardingticket ausgereicht. Dies war meine erste Fahrt in einem fast leeren ICE… Sozusagen freie Platzwahl… Entsprechend stressfrei ging es dann weiter nach Hassfurt…

Mit der Bahn von Frankfurt zurück nach Franken...
Mit der Bahn von Frankfurt zurück nach Franken…

Zurück in Deutschland – 14 Tage Quarantäne

Da ich mithilfe der Rückholaktion aus dem Ausland nach Deutschland eingereist bin, musste ich mich dann erst einmal beim Gesundheitsamt melden und mich 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben. Ich bin froh, dass diese Zeit nun fast um ist und ich keinerlei Anzeichen von Corona habe. Natürlich freue ich mich bereits darauf, einmal einen Spaziergang machen zu können. Vor der Ausgangssperre in Argentinien war ich ja meist beim Wandern und sozusagen immer in Bewegung und an der frischen Luft. Danach war ich 4 Wochen in der Wohnung in Argentinien „eingesperrt“ und nun nochmal 2 Wochen in Deutschland. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich die Bewegung und die Natur vermisst habe…

Wie geht es nun weiter?

Mate trinken hilft immer...
Mate trinken hilft immer…

Gute Frage – nächste Frage… Meine ersten Schritte waren, dass ich sowohl meine Reisekrankenversicherung gekündigt und die normale Krankenversicherung angemeldet habe. Des Weiteren habe ich mich auch beim Arbeitsamt gemeldet…

Aus der aktuellen Situation ist es wirklich schwierig, irgendwelche Pläne zu machen. Ich weiß nur, dass ich meine Reise so bald wie möglich fortsetzen möchte. Entsprechend muss ich die Zeit in Deutschland irgendwie überbrücken… Wie das genau aussehen wird, das weiß ich selbst noch nicht genau. Zu viele Fragen und zu viel Ungewissheit…

Lohnt es sich eine eigene Wohnung zu nehmen? Immerhin habe ich keine Möbel mehr, da ich alles verkauft habe… Käme alternativ eine WG in Frage? Oder bleibe ich bei meinen Eltern?
Was mache ich beruflich um mein Reisebudget noch ein bisschen aufzustocken? Werde ich etwas passendes finden?
Wie reise ich weiter? Bleibe ich bei Südamerika oder kommt eventuell eine Routenänderung in Frage? Wenn zum Beispiel Asienreisen früher möglich sind, reise ich dann zuerst nach Asien?

Viele Fragen und keine Antworten… Wegen der vielen ungeklärten Fragen in meinem Kopf, hat es auch so lange gedauert, bis ich diesen Blogbeitrag geschrieben habe. Ich bin aktuell ziemlich niedergeschlagen, weil ich meine Reise aufschieben muss und nun in Deutschland festsitze… Dass ich keine Ahnung habe, wie ich diese Phase am besten überbrücken soll, macht die Situation nicht gerade leichter… Auch wenn ich mich selbst dafür entschieden habe, aus Vernunft zurück nach Deutschland zu gehen, habe ich mein Herz an Südamerika verloren und ich vermisse es sehr.

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